Auflösung eines Freizügigkeitskontos in der Schweiz – Übertragung und Auszahlung bei Wegzug nach Deutschland

Bei Wegzug aus der Schweiz stellt sich regelmässig die Frage nach dem Verbleib der bisher eingezahlten Pensionskassenbeiträge in die II. Säule der Altersvorsorge. Innerhalb enger, gesetzlicher Vorgaben wurden in der Schweiz für die Versicherten Möglichkeiten geschaffen, Vermögen aus der Pensionskasse heraus zu beziehen oder im Idealfall steuerneutral auf Vermögen umzuschichten, welches gleichfalls dazu geeignet ist, der Altersvorsorge zu dienen. Auch bei Wegzug in die Bundesrepublik Deutschland ist eine steuerneutrale Umschichtung im sogenannten Vorbezug möglich.

Zur Unterscheidung, ob das Vermögen aus dem überobligatorischen Teil oder aus dem obligatorischen Teil gebildet wurde, stellt Ihnen die Versicherungsgesellschaft, welche das Pensionskonto für Sie führt, eine Bescheinigung aus.

Vom überobligatorischen Teil ist es möglich, ein bestimmtes Guthaben zu beziehen. Hierzu ist ein Antrag bei der Versicherung notwendig. Die Verwendung des Guthabens steht nach Bezug frei.

Bei nicht in der Schweiz Steuerpflichtigen werden bei Kapitalauszahlung die Pensionskassenbezüge am Ort der Freizügigkeitsstiftung quellenbesteuert. Die einbehaltene Steuer wird auf Antrag von der eidgenössischen Steuerverwaltung erstattet. Die dreijährige Antragsfrist endet bei Auszahlung im Jahr 2020 am 31. Dezember 2023. Es kann die gesamte Quellensteuer erstattet werden, wenn die Kapitalleistung Ihrem Finanzamt in Deutschland bekannt ist.

Auch in Deutschland ist in Abhängigkeit von der Zugehörigkeit und Beitragsleistung an die Pensionskasse eine steuerfreie Behandlung möglich (BFH-Urteil 26. November 2014, AZ VIII R 39/10, BStBl. 2016 II S. 665). Andernfalls sind die Bezüge mit einem Renten-Ertragsanteil steuerpflichtig. Je nach Höhe des Kapitals könnte dies zum Einkommen im Spitzensteuersatz führen. Nach Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH-Urteil 23. Oktober 2013,
AZ X R 33/10, BStBl 2014 II S. 103) kommt auf Antrag ein abweichender Steuertarif im Rahmen einer sogenannten Fünftel-Regelung in Frage. 

Anstelle einer Kapitalauszahlung kann in Deutschland, ebenfalls steuerfrei, eine sofortige Übertragung des Guthabens auf beispielsweise einen Rürup-Rentenversicherungsvertrag erfolgen. Soll nicht das gesamte Guthaben verwendet werden, ist zur steuerlichen Optimierung des Abzugs für Sonderausgaben auch eine Einzahlung in Raten denkbar. Ein Rürup-Vertrag gehört der Basis-Versorgung an. Reine Basis-Versorgungen sind steuerlich zum großen Teil den Renten aus der Deutschen Lebensversicherung gleichgestellt. Neben der Basis-Versorgung sind noch weitere Sparformen denkbar, welche von Versicherern angeboten werden: Fondsgebundene Rentenversicherungen und Fondssparpläne. Diese Anlagen entsprechen, je nach Ausgestaltung (bspw. betreffend eine Mindestrente, Kursrisiken, Zinsgarantie, Kapitalwahlrechte, Zusatzversicherungen, Beitragsrückzahlungen, Pfändungsmöglichkeiten etc.) eher einer privaten Rentenversorgung und nicht mehr der Basis-Versorgung, sodass die Finanzverwaltung eine Steuerfreiheit bei der Kapital-Übertragung versagen könnte. Die spätere Besteuerung einer lebenslangen Rente fände dann jedoch Höhe eines günstigeren Ertragsanteils statt. Zur Absicherung der steuerlichen Behandlung raten wir, höher dotierte Verträge noch vor Abschluss zu prüfen. Ferner besteht die Möglichkeit, im Vorfeld eines Abschlusses beim Finanzamt eine verbindliche Auskunft einzuholen.

Eine sofortige Kapitalauszahlung des obligatorischen Teils ist bei Wegzug nur in Länder ausserhalb der EU / EFTA  möglich. Sofern Sie Ihren Wohnsitz nach Deutschland verlegen, müssen Sie den obligatorischen Teil bei der Pensionskasse bis mindestens fünf Jahre Erreichen des AHV-Rentenalters stehenlassen. Unter bestimmten Voraussetzungen kommt bei Existenzgründern, bei Invalidität, im Fall einer Geringfügigkeit oder um Leistungen für Wohneigentum zu verwenden (beispielsweise zur Sondertilgung eines Immobiliendarlehens oder als Verpfändung für eine Liegenschaft, sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz) eine mindestens teilweise steuerneutrale Umschichtung des Altersvorsorgevermögens in Frage.

Bitte beachten Sie, dass beim Vorbezug die Rente der II. Säule und auch die AHV-Rente für die verbleibende Dauer des Rentenbezugs gekürzt werden. Ferner ist zur Verwendung oder zur Verpfändung des Guthabens die schriftliche Zustimmung des Ehegatten  oder eingetragenen Lebenspartners notwendig.

Bei Fragen zum Vorbezug, zur steuerlichen Behandlung den Rentenzahlung in der Schweiz und in Deutschland (hier sollte bei Leibrentenbezug unbedingt auch die Vergünstigung einer sogenannten Öffnungsklausel geprüft werden), zum Unterschied von Besteuerungs- und Ertragsanteil, zu Kapitalabfindungen, für Quellensteuer-Erstattungsanträge und zur Erstellung deutscher und schweizerischer Steuererklärungen könne Sie uns gerne konsultieren.

 

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